Eine Geschichte in 8 Kapiteln
Schreiben, Autor*innen und Co-Kreation

Co-Kreationen sind unter Autorinnen eine sehr umstrittene Sache. Während es zunehmend mehr erfolgreiche Bücher gibt, die von mehreren Autorinnen verfasst wurden, möchte die überwiegende Mehrheit der Schreibenden lieber selbst und alleine an einer ausgetüftelten Geschichte schreiben.

Stört eine zweite oder weitere Person den kreativen Schaffensprozess beim Schreiben? Dieser Frage will ich in ein paar Interviews nachgehen...

Dieses Kapitel wurde von Magnus geschrieben und am Freitag, 20. April 2018, 11:31 Uhr veröffentlicht. Es enthält 60 Worte.
Peter Hellinger ist Erzähler mit Leidenschaft, der schon zwei Mal versucht hat, "gemeinsam" zu schreiben und nun keine Lust auf weitere Versuche hat.

Er ist Autor, Verleger und Kopf der Autorenvereinigung "Die Schreiberlinge" und lebt in der Nähe von Nürnberg. Mit 50 hat er nach einer Karriere in der Baubranche neu als Autor und Verleger begonnen.

Dieses Kapitel wurde von Magnus geschrieben und am Sonntag, 22. April 2018, 17:50 Uhr veröffentlicht. Es enthält 56 Worte.
skribi:

Frage: Wie kam es bei Ihnen zum ersten Versuch gemeinsamer Autorenschaft und was wollten sie zusammen angehen?Wie sie via Twitter sagten, war es eine schlechte Erfahrung, mich würde interessieren, mit wem und was ursprünglich das Ziel war.

Dieses Kapitel wurde von Magnus geschrieben und am Sonntag, 22. April 2018, 17:52 Uhr veröffentlicht. Es enthält 38 Worte.
Peter Hellinger:

Entstanden ist das ganze aus einer lustigen Idee: Es sollte eine Kurzgeschichten-Sammlung von extra eingeladenen Autoren werden, in denen ein "magisches" Element in jeder Geschichte vorkommt und somit die Klammer bildet, die die Geschichten verbindet. Dabei wurden eher ungewollt Protagonisten aus einer Geschichte in anderen Geschichten eingebaut. Durchhaus eine spannende Sache, wie sich das Projekt entwickelte. Dann stellten wir fest, dass es Regeln braucht, damit die Protagonisten sich nicht in ihren Charaktären von Geschichte zu Geschichte zu unterschiedlich verhalten (z.B. einmal Good Cop, einmal Bad Cop) wandeln. Das wollten aber einige Autoren nicht und bestanden auf Ihren Freiheiten, worauf andere Autoren die Nutzung "ihres" Protagonisten untersagten. Das Ende vom Lied war, dass einige Autoren ihre Geschichten zurückzogen und etwa ein Drittel des Buches fehlte. Um das Projekt zu retten, habe ich noch eine Rahmenhandlung geschrieben, und einige Geschichten daraufhin angepasst, was wiederum dazu führte das diese Autoren auf ihre Urheberschaft verzichteten bzw. nur noch als Co-Autoren auftauchen wollten. Am Ende gab es also nur Streit und der Verkaufserfolg des Buches - da auch von den Autoren nicht mit dem entsprechenden Enthusiasmus beworben - blieb weit hinter den Möglichkeiten zurück.

Dieses Kapitel wurde von Peter Hellinger geschrieben und am Dienstag, 24. April 2018, 20:14 Uhr veröffentlicht. Es enthält 191 Worte.
skribi: Bereitschaft zu Kompromissen

Ohweh, das hört sich nicht gut an. Fast so, wie wenn einige Autoren erst im Laufe des Projekts verstanden hätten, dass Co-Autorenschaft auch bedeutet, Kompromisse einzugehen.

Frage: Wie sehen sie als Autor und als "Rahmenschreiber" die Bereitschaft zu Kompromissen bei Schreibenden? Ist das bei all den Autorinnen, die sie kennen, ähnlich oder unterscheiden sich die Schreibenden ihrer Beobachtung nach stark?

Dieses Kapitel wurde von Magnus geschrieben und am Donnerstag, 26. April 2018, 18:30 Uhr veröffentlicht. Es enthält 64 Worte.
Peter Hellinger:

Ich kenne eigentlich nur Autoren, die lieber alleine schreiben. Wir haben das in mehreren Schreibwerkstätten auch getestet: Bei Aufgaben, die in Paaren oder zu dritt zu erledigen waren, gab es zu Anfang immer großes Gestöhne. In der Fragerunde nach der Aufgabe, wie es denn gelaufen sei, meinten die meisten, dass sie es ungemein schwierig fanden. Etwas besser schnitten Aufgaben ab, bei denen vorher ein klarer Handlungsrahmen und eine feste Aufgabenverteilung gegeben waren. Bei den Abschlussrunden, welche Aufgaben denn besonders gefallen oder nicht gefallen hätten, landeten die Teamwork-Aufgaben immer auf den hinteren Plätzen. Ich denke Schreiben ist vom Grundsatz her eine einsame Tätigkeit und das spiegelt sich auch in der Bereitschaft, mit anderen zusammen zu arbeiten.

Dieses Kapitel wurde von Peter Hellinger geschrieben und am Donnerstag, 26. April 2018, 20:15 Uhr veröffentlicht. Es enthält 117 Worte.
skribi: Ähnlichkeiten bei Autoren?

Frage: Die Autoren, mit denen sie diese Erfahrung gemacht haben, schreiben die in unterschiedlichen thematischen Feldern oder beackern sie eher ähnliche Genres, Themen oder Publikationen? Was würden sie als Grund für die "einsame Wolf" Verhaltensweise ausmachen?

Dieses Kapitel wurde von Magnus geschrieben und am Montag, 30. April 2018, 15:41 Uhr veröffentlicht. Es enthält 40 Worte.
Peter Hellinger:

Das sind verschiedenste Autoren, Frauen, Männer, Alter zwischen 20 und 80, Hobbyschreiber, Leute die damit Geld verdienen oder auch Leute die nur für sich selbst schreiben wollen, ohne Veröffentlichungsabsichten. Entsprechend breit ist auch das Themenfeld in dem geschrieben wird. In 12 Jahren Schreibwerkstätten kommen schon einige hundert Leute zusammen ... Beim Schreiben - zumindet empfinde das ich so - fließt ja immer auch eine gehörige Portion eigener Emotionen und Erinnerungen ein. Das macht ja einen guten Text auch aus, dass man als Leser die Emotionen nachvollziehen und miterleben kann. Der Vorgang ist, je nach Art des Textes - z.B. Autobiografisches, zuweilen sehr persönlich, so dass es dem Autor wohl schwer fällt, das mit jemanden zu teilen, den er nicht kennt. Der fertige Text hinterher ist wieder anders zu sehen: Der ist bearbeitet und der Autor hat sich genügend distanziert, so dass die persönliche Bindung geringer ist. Das sind alles Faktoren, die es dem einzelnen Autor wohl schwer machen sich mit anderen Autoren zusammen zu tun.

Dieses Kapitel wurde von Peter Hellinger geschrieben und am Mittwoch, 02. Mai 2018, 08:35 Uhr veröffentlicht. Es enthält 167 Worte.