Eine Geschichte in 4 Kapiteln
Wellen unter

Toulouse, am nachmittag. Es war schon viel wärmer, als sie sich vorgestellt hatte, viel wärmer als die Kleider, die sie in ihren Koffer gepackt hatte. Als sie aus dem Flugzeug gestiegen war, hatte sie als erstes die Luft bemerkt. Heiss für April, feucht und würzig. Ihre Haare flatterten im Wind und sie suchte in Gedanken angestrengt nach ihrem Haargummi während sie den Handkoffer fester packte und sich auf die schmalen Treppenstufen konzentrierte.

Das Anstrengendste war immer der Flughafen. Wenn sie dann im Taxi sass und ihre Sachen ordnete und ein Fahrer ihr mit leichtem Singsang irgendetwas Alltägliches zu erzählen versuchte, wenn sie auf dem Rücksitz entspannte, ihre Handtasche in Ordnung brachte und die Hektik des Flughafens vergass, dann war sie mit der Fliegerei wieder versöhnt.

Dieses Kapitel wurde von Magnus geschrieben und am Freitag, 13. April 2018, 12:35 Uhr veröffentlicht. Es enthält 127 Worte.
Jetzt ging es darum, den Kontakt herzustellen.

Ruben hatte ihr mehrmals genau geschildert, was sie zu tun hatte.
"Triff diesen Typen und quetsche ihn aus", drängte er in seinem kehligen Akzent.
"Wir brauchen alle Informationen, die wir bekommen können." Wie wenn sie das nicht längst schon selbst realisiert hätte. Ruben war so ein Macho.

Das Café hatte sie mit Leichtigkeit gefunden. Und die Vorbereitungen erledigten sich fast von alleine. Manchmal spielen die Leute oder die Umgebung oder einfach nur der Zufall perfekt mit.

Der Typ selbst war einfach auszumachen. Er trug exakt die Sachen, die er ihnen beschrieben hatte und sie war schon beinahe erstaunt, wie genau er dem Bild entsprach, welches sie sich von ihm gemacht hatte. Sie legte den Schalter um und ging am Tresen vorbei in den zweiten Raum.

"Guten Tag, mein Herr, ist der Stuhl noch frei? Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich zu Ihnen setze?"
Sie setzte sich zu dem Mann an den Tisch, der sie interessiert musterte. Ihr fiel auf, dass er ein winziges Büschel Haare mit einem blassblauen Band umwickelt hatte. Etwas, dass man nicht bemerken würde, wenn man ihn auf der Strasse treffen würde. Aber jetzt, wo sie ihn genau ansah, fiel ihr auf, wie er ihrem Blick folgte und ein leises Lächeln spielte um seine Lippen.
"Sie haben es bemerkt?" hörte sie ihn mit weicher, leiser Stimme sagen.

Dieses Kapitel wurde von Magnus geschrieben und am Freitag, 13. April 2018, 12:45 Uhr veröffentlicht. Es enthält 228 Worte.
Es war ein Morgen wie ihn Frank Dahlberg seit seinem 26. Lebensjahr täglich erlebte. Nichts schien vom Gewohnten abzuweichen.

Vorhersehbare Abläufe waren ihm wichtig. Auch an diesem Morgen erfüllte ihn das Gefühl, die Dinge im Griff zu haben, Herr der Lage zu sein. Er sollte sich täuschen. Zunächst kümmerte er sich wie immer um die Pflanzen. Das dauerte in etwa 22 Minuten. Selbst erwartbare Kleinigkeiten änderten an seinem Plan kaum etwas. Als Frank den Außenbereich vor seinem Café dekoriert hatte und alles genau am Platz stand, wollte er gerade die Kuchenvitrine öffnen, als etwas ganz anders war als sonst immer. Die massige Vitrine bewegte sich. Aus einem Wackeln wurde ein Schütteln, es schwoll das Hämmern einer Kirchenglocke bis ins Schmerzhafte an. Frank wich zurück, schützte seine Ohren und starrte fassungslos auf den Boliden aus Chrom und Glas, der zunehmend die Kontrolle verlor, stampfte und stöhnte und seinen angestammten Platz immer mehr in Richtung Fensterfront verließ. In dem Augenblick packte jemand Frank von hinten und riß ihn zu Boden. Schreie gellten durch das leere Café. Es wurde schlagartig finster. Schritte trampelten an Franks Kopf vorbei, der zwischen Stuhlbeinen gelandet war und nun pochte wie ein Ochsenherz.

Dieses Kapitel wurde von DONE E. LOW geschrieben und am Freitag, 13. April 2018, 23:52 Uhr veröffentlicht. Es enthält 195 Worte.
Er spürte, wie sein massiger Körper in die Luft gehoben wurde, wie wenn er schwerelos wäre und schweben könnte.

Er sah immer noch nichts. Pechschwarze Dunkelheit umfing ihn, erstaunlich, wo er doch gerade noch vor seiner Kuchenvitrine gestanden hatte. Wo war das alles hin? Wo kamen auf einmal all die Menschen her? Die Schritte und Schreie im Café hörten nicht auf, auch wenn er vorher noch mit traumwandlerischer Sicherheit durch die Leere der beiden Räume gegangen war und seine Arrangements vorgenommen hatte, war jetzt im finsteren Café einiges los.

„Geht es mir gut?“ hörte er eine Stimme sagen. Eine Frau? Ein Mann? schwer zu unterscheiden. Diese Stimme hatte er schon einmal gehört, in seinem Café.

Langsam liess der Schmerz in seinem Kopf nach. Aus dem Ochsenherz wurde ein wellenartiges Ziehen und dann nur noch ein dumpfer Druck. Wieviel Zeit war vergangen? Wo war er inzwischen? Die Geräusche, Stimmen und das Gebrabbel waren leiser geworden als er durch den Raum schwebte. Plötzlich wurde ihm sehr kalt.

Gemurmel, Stimmen. „Was haben sie denn da?“ fragte ein dunkler Bariton. War er gemeint? Er wollte etwas sagen, aber seine Stimme gehorchte ihm nicht. Stattdessen hörte er ein dünnes, schiefes Krächzen, das um ihn herum zu drehen schien. War er das? Hatte er zu singen versucht? „Er atmet normal...“ sagte eine andere, eher hektische Stimme.

Dieses Kapitel wurde von Magnus geschrieben und am Dienstag, 17. April 2018, 19:48 Uhr veröffentlicht. Es enthält 220 Worte.